B 16

03.08.2013

Fatima-Botschaft „Das Buch der Wahrheit“, Nr. 855

Ist das III. Geheimnis von Fatima vollständig veröffentlicht worden?

 Freitag, den 09. September 2011 um 16:24 Uhr

In der jüngsten Ausgabe des US-amerikanischen Magazins „Inside the Vatican“ findet sich ein hochinteressantes Zeugnis des Herausgebers über das III. Geheimnis von Fatima.

Der Herausgeber Robert Moynihan steht nicht im Verdacht eines „Traditionalisten“, sondern eines im Vatikan gut vernetzten „Neo-Konservativen“.

Es geht um die Frage, ob der Vatikan im Jahr 2000 das III. Geheimnis von Fatima vollständig veröffentlicht habe.

Mehrfach hat Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in den letzten Jahren das Wort ergriffen, um dem Verdacht, die Fatima-Botschaft sei nicht im ganzen Umfang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden, energisch entgegenzutreten.

 

Zur Vorgeschichte

Kurz zur Vorgeschichte: Der (bis zu dem Zeitpunkt im Vatikan sehr geschätzte) italienische Journalist Antonio Socci veröffentlichte im November 2006 sein Buch „Il Quarto Segreto di Fatima“ („Das vierte Geheimnis von Fatima“). Er trug eine Reihe von Aussagen zusammen, die schwere Zweifel aufkommen ließen, ob im Jahr 2000 wirklich der vollständige Text des III. Geheimnisses veröffentlicht wurde. Er machte sich damit zum Echo auch von Stimmen in der römischen Kurie.

Es kam in Folge zu einer öffentlichen Auseinandersetzung in den Medien von Socci mit Kardinal-Staatssekretär Bertone, der 2007 — unter dem Eindruck der Debatte — sein rechtfertigendes Buch „L’ultima veggente di Fatima“ (dt. „Die Seherin von Fatima. Meine Gespräche mit Schwester Lucia“) veröffentlichte. Trotzdem ging die öffentliche Debatte weiter. In den USA griff das Thema Christopher Ferrara auf und veröffentlichte ein Buch mit Anfragen an Kardinal Bertone (und seinen Vorgänger Kardinal Sodano) mir dem Titel „The Secret Still Hidden“ („Das noch verborgene Geheimnis“).

Christopher Ferrara ist ein bekannter Rechtsanwalt und Buchautor. Er schreibt regelmäßig in verschiedenen katholischen Zeitschriften. Der American Catholic Lawyers Association steht er als Präsident vor.

Zum Hintergrund des Bertone-Buches: Der Kardinal sprach dreimal mit der Seherin Lucia von Fatima, im Jahr 2000 vor der Veröffentlichung des Vatikan-Textes des III. Geheimnisses, im November 2001 und im Dezember 2003. Insgesamt 10 Stunden Gespräche, die nicht aufgezeichnet wurden. Der Kardinal machte nach eigenen Aussagen „Notizen“, aus denen das genannte Buch entstammt.

Das Zeugnis von Robert Moynihan

„Inside the Vatican“ veröffentlichte jüngst einen Nachruf des Herausgebers Robert Moynihan auf den im Juli verstorbenen Nuntius in Washington, Erzbischof Pietro Sambi. Der 1938 geborene italienische Vatikandiplomat war nicht lange nach seiner Priesterweihe im Jahr 1964 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls getreten und diente auf fast allen Erdteilen. Erzbischof Sambi starb an den Folgen einer Krebserkrankung und Lungenoperation in Baltimore am 27. Juli 2011. Präsident Obama kondolierte dem Papst als Erster.

In dem Artikel „Passing of a Friend” („Hinscheiden eines Freundes“) würdigt Roger Moynihan das Leben des Nuntius, der für viele bemerkenswerte Bischofernennungen der letzten Jahre in den USA verantwortlich zeichnete.

In dem Nachruf erinnerte er an vier Begegnungen, die ihm besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Eine (von den vier) ist folgende:

„Wir [Moynihan und Sambi] diskutierten über das III. Geheimnis von Fatima, über die Vorwürfe, der Vatikan habe nicht den vollständigen Text des der Schwester Lucia geoffenbarten III. Geheimnisses veröffentlicht und über die Antwort von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone in seinem Buch, in dem dieser sagte, es gebe nichts Weiteres mehr zu veröffentlichen.

[„We were discussing the Third Secret of Fatima, the allegations that the Vatican has not published the entire text of the Third Secret as revealed to Sister Lucia, and the response of Cardinal Tarcisio Bertone, the Vatican secretary of state, in a book where Bertone states that there is nothing more to be revealed.“]

Erzbischof Sambi sagte mir. „Entschuldigen Sie mich kurz.“ Er stand auf, ging in ein anderes Zimmer und kam mit einem Buch zurück. „Hier“, sagte er, „kennen Sie dieses Buch? Sie sollten es lesen.“

[„Here,” he said. „Do you know this book? You should read it.”]

Es war das Buch „The Secret Still Hidden“ („Das noch verborgene Geheimnis“) von Christopher Ferrara.

Robert Moynihan sagte „Wie bitte? Sie sind der Repräsentant des Papstes in den Vereinigten Staaten und Sie fordern mich auf, ein Buch zu lesen, das in Frage stellt, was der Kardinalstaatssekretär gesagt hat?“

Erzbischof Sambi sagte: „Alles was ich sage, ist, dass es ein interessantes und lesenwertes Buch ist. Und am Ende suchen wir alle nach der Wahrheit, nicht wahr? Und die Wahrheit ist eine bedeutende Sache.“

[„All I am saying is that there are interesting things worth reading in this book. And in the end, we are all after the truth, aren't we? The truth is the important thing...”]

So weit die Aussage von Robert Moynihan.

Christopher Ferrara wurde von der Zeitschrift „The Remnant“, einer traditionell-katholischen Wochenzeitung, um einen Kommentar gebeten:

»Ich freue mich über die Nachricht, dass ein so hochrangiger Vertreter des Heiligen Stuhls die Offenheit besaß, die Beweise zu studieren, die mich zum Schreiben meines Buches veranlassten. Ich wollte die Beweise [über das Dritte Geheimnis] systematisch darstellen. Ich habe mich anfänglich heftig gegen die Schlussfolgerung gewehrt, dass es einen bisher nicht veröffentlichten Begleittext des Geheimnisses gebe, der die doppeldeutige und endlose Debatte über den „in Weiß gekleideten Bischof“ erklären könnte. Wer möchte schon als ‚kindischer Verschwörungstheoretiker’ von den sich in einer sehr komfortablen Position befindlichen Verteidigern des nachkonziliaren Status-Quo diffamiert werden. Aber als [der italienische Journalist] Antonio Socci seine eigenen Nachforschungen über die Sache anstellte, musste ich den von ihm angeführten Argumenten zustimmen. Und Socci konnte nur den Schluss ziehen, dass es sicher einen unveröffentlichten Text gibt. Socci, ich — und der verstorbene Erzbischof Sambi — sind an der Wahrheit interessiert. Nicht daran, die Beschädigung des Ansehens von hochgestellten Persönlichkeiten abzuwenden.«

Ferrara fügte hinzu: »Und Gott segne Robert Moynihan für seinen Mut, diese bedeutende Aussage öffentlich zu machen. Er hat — menschlich gesprochen — dadurch nichts zu gewinnen. Dafür gebührt ihm hohes Lob. Dies führte zu einem weiten Riss in dem Damm der Leugnung, der in den letzten Jahren ständig größer geworden ist. Der Papst hat im Mai 2010 [anlässlich seiner Fatima-Pilgerfahrt] die Parteilinie des Kardinalsstaatsekretärs — das Geheimnis beziehe sich auf vergangene Dinge — verlassen. Seine Heiligkeit sagte nämlich, die Botschaft von Fatima beziehe sich auf ‚Realitäten der Zukunft der Kirche’. Im Mai 2011 war eine große Fatima-Konferenz in Rom, auf der — neben meiner Wenigkeit — auch die Vatikan-Journalisten Andrea Tornielli und Paolo Rodari gesprochen haben und an der auch der Vatikan-Diplomat Kardinal Renato Martino teilnahm. Die Stimmung ändert sich, und wir können hoffen, dass diese Wandlung ein Präludium ist für die vollständige Veröffentlichung des Geheimnisses, der Weihe Russlands [an das Unbefleckte Herz durch den Papst und den Weltepiskopat] und den Triumph des Unbefleckten Herzens.«

Hier zwei Zitate, um das von Ferrara Gesagte besser zu verstehen:

Kardinal Sodano sagte am Ende der Seligsprechung der Hirtenkinder Jacintha und Francisco durch Johannes Paul II. in Fatima am 13. Mai 2000:

http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20000626_message-fatima_ge.html

»Selbst wenn die Geschehnisse, auf die sich der dritte Teil des Geheimnisses von Fatima bezieht, nunmehr der Vergangenheit anzugehören scheinen, so bleibt der am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ergangene Ruf der Gottesmutter zu Umkehr und Buße auch heute aktuell und anregend.«

Der Heilige Vater sagte am 11. Mai 2010 in einem Interview auf dem Flug nach Portugal:

http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2010/may/documents/hf_ben-xvi_spe_20100511_portogallo-interview_ge.html

Frage: »Heiliger Vater, welche Bedeutung haben heute für uns die Erscheinungen von Fatima? Als Sie den Text des dritten Geheimnisses im Juni 2000 im Presseamt des Heiligen Stuhls vorgestellt haben, waren manche von uns und andere Kollegen von damals dabei, und Sie wurden gefragt, ob die Botschaft von Fatima über das Attentat auf Johannes Paul II. hinaus auch auf andere Leiden der Päpste bezogen werden kann. Können Ihrer Ansicht nach auch die durch den Missbrauch von Minderjährigen verursachten Leiden der Kirche von heute im Rahmen dieser Vision gesehen werden?«

Heiliger Vater: »Ich möchte zunächst meine Freude über die Reise nach Fatima zum Ausdruck bringen und darüber, vor der Muttergottes von Fatima zu beten, die für uns ein Zeichen der Gegenwart des Glaubens ist, dass gerade aus den Kleinen eine neue Kraft des Glaubens geboren wird, die nicht auf die Kleinen beschränkt bleibt, sondern eine Botschaft für die ganze Welt hat, und die die Geschichte gerade auch in ihrem Heute berührt und diese Geschichte erleuchtet. Bei der Präsentation im Jahr 2000 habe ich gesagt, dass eine Erscheinung — das heißt ein übernatürlicher Impuls, der nicht bloß der Vorstellungskraft der Person entspringt, sondern tatsächlich von der Jungfrau Maria, vom Übernatürlichen herkommt — dass ein solcher Impuls in das Subjekt eintritt und gemäß den Möglichkeiten des Subjekts zum Ausdruck gebracht wird. Das Subjekt ist von seinen geschichtlichen, persönlichen und charakterlichen Gegebenheiten bestimmt und übersetzt den großen übernatürlichen Impuls daher in sein Seh-, Vorstellungs- und Ausdrucksvermögen, aber in diesen Ausdrucksweisen, die vom Subjekt geformt sind, verbirgt sich ein Inhalt, der darüber hinausgeht, der tiefer ist, und nur im Lauf der Zeit können wir die ganze Tiefe sehen, die — sagen wir mal — in dieser für die konkreten Personen möglichen Vision „gekleidet“ war. So, würde ich sagen, werden auch hier über die große Vision des Leidens des Papstes hinaus, die wir in erster Linie auf Papst Johannes Paul II. beziehen können, Realitäten der Zukunft der Kirche aufgezeigt, die sich nach und nach entfalten und zeigen. Daher ist es richtig, dass man über den in der Vision gezeigten Moment hinaus die Notwendigkeit eines Leidens der Kirche sieht, das sich natürlich in der Person des Papstes widerspiegelt, aber der Papst steht für die Kirche, und daher werden Leiden der Kirche angekündigt. Der Herr hat uns gesagt, dass die Kirche auf verschiedene Weise immer leiden werde bis zum Ende der Welt. Wichtig ist dabei, dass die Botschaft, die Antwort von Fatima im Wesentlichen nicht auf bestimmte Andachtsübungen abzielt [sic?], sondern auf die grundlegende Antwort, das heißt die ständige Umkehr, die Buße, das Gebet und die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. So sehen wir hier die wahre und grundlegende Antwort, die die Kirche geben muss, die wir, jeder von uns, in dieser Situation geben müssen. Unter dem Neuen, das wir heute in dieser Botschaft entdecken können, ist auch die Tatsache, dass die Angriffe gegen den Papst und die Kirche nicht nur von außen kommen, sondern die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Inneren der Kirche, von der Sünde, die in der Kirche existiert. Auch das war immer bekannt, aber heute sehen wir es auf wahrhaft erschreckende Weise: Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von den äußeren Feinden, sondern erwächst aus der Sünde in der Kirche. Und darum ist es für die Kirche zutiefst notwendig, dass sie neu lernt, Buße zu tun, die Reinigung anzunehmen; dass sie einerseits zu vergeben lernt, aber auch die Notwendigkeit der Gerechtigkeit sieht; denn Vergebung ersetzt die Gerechtigkeit nicht. Mit einem Wort, wir müssen gerade das Wesentliche neu lernen: die Umkehr, das Gebet, die Buße und die göttlichen Tugenden. So antworten wir. Seien wir realistisch darauf gefasst, dass das Böse immer angreift, von innen und von außen, aber dass auch die Kräfte des Guten immer gegenwärtig sind und dass letztendlich der Herr stärker ist als das Böse. Und die Muttergottes ist für uns eine sichtbare, mütterliche Garantie der Güte Gottes, die immer das letzte Wort in der Geschichte ist.«

 

Quelle: http://www.pius.info/archiv-news/717-akutell/5837

 

 

 

homepage tracker