2547.

22.02.2014

zu 2536

Liebe Regina K,

du kannst dich glücklich schätzen, Priester zu haben, die betonen, dass im Vaterunser schon immer „und führe uns nicht in Versuchung“ gebetet wurde, und es daher richtig sein müsse. Bei uns gibt es inzwischen viele, die predigen, dass dies ein Übersetzungsfehler sei, und es richtig hieße „und führe uns in der Versuchung“. Ich kenne Gläubige, die sogar regelmäßig so beten.

Mich hat diese Frage auch sehr lange umgetrieben. Den Übersetzungsfehler wollte ich nicht akzeptieren, wie könnte die Kirche 2000 Jahre einen Übersetzungsfehler im wichtigsten Gebet mitziehen? Wie könnte es sein, dass sich kein Konzil mit dieser Frage beschäftigt hat? Ich habe einige Priester mit der Frage genervt, (auch in Verbindung mit dem Jakobusbrief) — keiner konnte mir eine vernünftige Auskunft geben!

Schließlich habe ich mich an die gewandt, die es wirklich wissen müssen und zu denen ich Vertrauen habe, ans Stift Heiligenkreuz. Und von dort habe ich wirklich Aufklärung bekommen, klar und einfach – mit einem Zitat aus einem Interview von Peter Seewald mit dem damaligen Kardinal Ratzinger. Seit ich das gelesen habe, sind alle meine Fragen beantwortet.

Heute sehe ich im Vaterunser das Kreuzzuggebet schlechthin. Schon im ersten Satz: „Dein Reich komme!“ Das ist ein Flehen nach der Wiederkunft Jesu und dem Reich Gottes, wo Himmel und Erde eins sind. Und die Bitte „und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ sollte — so wie ich es verstehe — nicht in zwei Teile getrennt werden. Es ist unser Ruf danach, uns endlich von dem Versucher zu erlösen, was ja auch erst im Reich Gottes Realität sein wird. Also wieder ein Flehen um das Reich Gottes. Aber das ist meine persönliche Meinung. Hier das Zitat:

Seewald: Im Vaterunser heißt es an einer Stelle: »und führe uns nicht in Versuchung.« Warum aber soll ein liebender Gott uns in Versuchung führen wollen? Ist das ein Übersetzungsfehler? Frère Roger, der Gründer der Bewegung von Taizé, einer ökumenischen Ordensgemeinschaft in Frankreich, hat vorgeschlagen, man möge beten: »Und lasse uns nicht in Versuchung.«

Ratzinger: Daran wird ja viel herumgekaut. Ich weiß, dass Adenauer den Kardinal Frings bedrängt hat, dass könne ja so, wie es da steht, nicht stimmen. Wir kriegen auch immer wieder Briefe in dieser Richtung. Das »führe uns nicht in Versuchung« ist in der Tat die wörtliche Übersetzung des Textes. Natürlich entsteht die Frage, was das eigentlich bedeutet? Der Betende weiß, dass Gott ihn nicht ins Schlechte hineindrängen will. Er bittet Gott hier sozusagen um sein Geleit in der Versuchung. Der Jakobus-Brief sagt ausdrücklich, Gott, in dem kein Schatten von Finsternis ist, versucht niemanden. Aber Gott kann uns auf die Probe stellen – denken wir an Abraham –, um uns reifer zu machen, um uns mit unserer eigenen Tiefe zu konfrontieren, und um uns dann erst wieder vollends zu sich selber zu bringen. Insofern hat auch das Wort »Versuchung« verschiedene Schichten. Gott will uns nie zum Bösen anleiten, dass ist klar. Aber sehr wohl kann es sein, dass er die Versuchungen nicht einfach von uns weghält, dass er uns, wie gesagt, durch Prüfung hilft und auch führt. Wir bitten ihn jedenfalls darum, dass er uns nicht in Versuchungen geraten läßt, die uns ins Böse abgleiten lassen würden; dass er uns nicht Prüfungen auferlegt, die unsere Kräfte überschreiten würden; dass er die Macht nicht aus der Hand gibt, um unsereSchwachheit weiß und uns daher schützt, damit wir ihm nicht verlorengehen.

Seewald: Klipp und klar: das Gebet bleibt, wie es ist?

Ratzinger: Ich würde sagen ja. Es wäre nicht ganz verboten, sinngemäße Übersetzungen im Sinne von Roger Schütz und anderen Vorschlägen zu machen. Aber mir scheint doch, dass die Demut, es in der Wörtlichkeit zu lassen und sich in seine Tiefe hineinzubeten, dass Bessere ist.

Quellenangabe: Seite 252f aus: http://de.scribd.com/doc/53689289/63/Vater-unser

Liebe Grüße und Gottes Schutz und Segen!

Barbara

 

 

 

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