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16.11.2015

Vaterunser — Das Herrengebet / Betrachtungen Thomas v. Aquin

Möge die Allerseligste Jungfrau uns hierbei an der Hand nehmen und uns hineinführen in das Geheimnis dieser Worte, die alles enthalten, was ein Gebet braucht (Thomas v. Aquin).

Thomas verknüpft das Vaterunser mit den sieben Gaben des Hl. Geistes, jede Bitte mit einer Gabe. Die sieben Gaben stellen die Fülle des Hl. Geistes dar und somit wird deutlich, dass auch dieses Gebet insgesamt einen gewissen Gesamtheitsanspruch erhebt. Seine Frucht ist die Fülle Gottes, die Fülle des Hl. Geistes, deren Erlangung das Ziel des christlichen Lebens ist (hl. Seraphim v. Sarov). So dürfen wir bei jeder Bitte die Gedanken von Thomas ins Herz nehmen und erwägen und uns auch nach dem Heiligen Geist ausstrecken, Ihn erbitten, Seine jeweilige Gabe erwägen und ersehnen.

(http://www.marienforum.net/showthread.php?309-Vaterunser-Das-Herrengebet-Betrachtungen-Thomas-v.-Aquin

Sechste Bitte: UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG

Gabe des Hl. Geistes: Verstand!!!

Es ist ein Widerspruch, wenn wir einerseits unsere Sünde beweinen und bereuen (und sie beichten), auf der anderen Seite aber durch fortgesetztes Sündigen Grund zu neuer Reue geben. Wir erflehen in dieser Bitte, dass wir die Sünde meiden können, dass wir also nicht in Versuchung geführt werden. Versuchung bedeutet nichts anderes als die Tugend des Menschen zu prüfen bzw. zu erproben. Geprüft werden die beiden Richtungen der Tugend: das Gute tun und das Böse meiden.

Das Wesen der Versuchung:

- Die Versuchung in der Ausübung des Guten. Hier zeigt sich, ob wir bereit sind zur Ausübung der guten Handlung (z.B. Fasten). Die Tugend wird zur erprobten Tugend und so zum Vorbild für den Mitmenschen (z.B. Abraham, Ijob), auch schreiten wir dadurch in der Tugend voran.

- Die Versuchung durch Anreizung zum Bösen. Widerstehen wir dabei tapfer und willigen nicht ein, dann hat sich unsere Tugend bewährt. Derartige Versuchungen stammen niemals von Gott, sondern vom eigenen Fleisch, dem Teufel und der Welt.

Art und Weise der Versuchung: Wir werden versucht ...

- vom Fleisch:

> Es reizt uns zum Bösen an, indem es immerzu nach sinnlichen Genüssen sucht. Die sinnlichen Vergnügungen und Begierden aber lassen uns das Geistige vernachlässigen.

> Es will uns vom Guten abziehen. Der Geist für sich fände immer Freude an geistigen Gütern, aber das Fleisch hindert uns und zieht uns nach unten. Sehr beschwerlich ist es, mit diesem Feind unentwegt verbunden und ihm stets ausgesetzt zu sein. Immer müssen wir gegen das Fleisch auf der Hut sein. („Wachet und betet ...“)

- vom Teufel: Haben wir das Fleisch niedergerungen, erhebt sich dieser mächtige Feind gegen uns; wir haben sehr hart zu kämpfen. Er ist sehr schlau und versucht uns da, wo wir am schwächsten sind, zumeist in den Sünden des Geistes (z.B. Zorn, Stolz). In seiner Schläue führt er uns nicht ein Übel, sondern ein scheinbares Gut vor Augen, um uns vom guten Vorsatz abzubringen, zeigt sich also als Engel des Lichts. Weichen wir ab, ist es für ihn ein leichtes, uns zu Fall zu bringen. Hat er uns zu Fall gebracht, setzt er alles daran, uns in der Sünde wie in einer Falle festzuhalten, damit wir uns nicht mehr erheben.

- von der Welt:

> durch unmäßiges Verlangen nach zeitlichen Gütern: „Die Wurzel aller Übel ist die Habsucht.“ (1 Tim 6,10)

> durch Schreckmittel von Verfolgern: Wir sollen aber nichts und niemand fürchten, was dem Leib schaden kann, aber der Seele nichts anhaben kann.

Jesus lehrt uns zwar beten, dass wir nicht in Versuchung geführt werden oder gar in sie einwilligen, was jedoch keineswegs bedeutet, dass wir überhaupt nicht versucht werden sollen. Wer die Versuchung siegreich besteht, verdient sich eine Krone. Versucht werden ist menschlich, in die Versuchung einwilligen ist teuflisch. Gott führt nie selbst in Versuchung, er entzieht uns höchstens durch unsere eigene Sünde Seine Gnade.

Gott hilft uns gegen die Versuchung / in der Versuchung:

- durch das Feuer der Liebe: Jeder Funke der Liebe vermag der Sünde Widerstand zu leisten.

- durch Erleuchtung des Verstandes: Gott erleuchtet uns, was wir tun sollen (jede Sünde geht auf Verblendung zurück). Dies wird verliehen in der Gabe des Verstandes, sodaß wir der Versuchung widerstehen und ein reines Herz bewahren, um einst Gott schauen zu dürfen. Frucht dieser Bitte: die selige Anschauung Gottes.

Siebte Bitte: SONDERN ERLÖSE UNS VOM BÖSEN

Gabe des Hl. Geistes: Weisheit!!!

Wir bitten hier um Abwendung aller Übel, Sünden, Krankheiten, Leiden und Bedrängnisse. Nun geht es insbesondere um die Leiden und Widerwärtigkeiten der Welt, denn über die Sünden und Versuchungen wurde bereits gesprochen.

Es mag sein eine Bitte um ...

- Bewahrung vor dem Leiden: Eher seltener werden wir hiervor bewahrt, denn es ist das übliche Los der Gerechten auf Erden, manche Trübsal und Leiden erdulden zu müssen, im Maß je nach Schwäche oder Stärke der heimgesuchten Seele. Im Himmel jedoch werden wir hiervon gänzlich befreit und erlöst sein!

- Trost im Leiden: Ohne die Tröstungen und die Gnade Gottes könnten wir gar keine Leiden erdulden, da wir so armselig sind.

- Erweis von Wohltaten, bei denen wir die Leiden vergessen: Die Leiden dieser Welt sind wegen ihrer kurzen Dauer und der göttlichen Tröstungen leicht zu ertragen. Sie schaffen uns einen großen Schatz im Himmel und erwirken uns das ewige Leben.

- Verwandlung von Leid in Freude: Die Heiligen rühmen sich ihrer Trübsale und Leiden, denn diese haben ihnen eine Krone im Himmel beschert. Gott wendet die Drangsale zum Guten. Diese Erkenntnis ist ein Ausdruck höchster Weisheit. Nur mit Geduld können wir hier bestehen, die wiederum allein durch Leiden erworben wird. Alle (übrigen) Tugenden brauchen zu ihrer Ausübung das Gute, die Geduld jedoch die Widerwärtigkeiten. Der Hl. Geist lehrt uns in der Gabe der Weisheit um eben diese Geduld bitten, mittels derer wir zur Seligkeit des Friedens (im Glück und im Unglück) gelangen. Wir werden wahre Kinder Gottes, denen nichts etwas anhaben kann.

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VATER UNSER Thomas selbst gibt noch eine Zusammenfassung

-> Dieses Gebet enthält alles, wonach wir verlangen oder was wir meiden sollen.

Geheiligt werde Dein Name:

Wir bitten um die Verherrlichung Gottes, der am meisten begehrenswert uns liebenswert ist.

-> Nun erbitten wir von Gott für unsere eigene Person dreierlei:

Dein Reich komme: („SUCHET DAS REICH GOTTES...“)

Wir bitten um das ewige Leben.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden: („UND SEINE GERECHTIGKEIT...“)

Wir bitten, dass wir den Willen Gottes und seine Gerechtigkeit erfüllen mögen.

Unser tägliches Brot gib uns heute: („UND ALLES ANDERE WIRD EUCH HINZUGEGEBEN.“)

Wir bitten um das für unser Leben Notwendige.

-> Meiden und fliehen wir alles, was dem Guten entgegensteht. Verlangen wir nach dem vierfachen Gut:

1. Gut: Verherrlichung Gottes — Sie wird durch Gutes gefördert. Sie kann durch Böses nicht beeinträchtigt werden

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern:

2. Gut: Wir bitten um Vergebung, damit uns durch unsere Sünde das ewige Leben nicht verloren geht.

Und führe uns nicht in Versuchung:

3. Gut: Der Gerechtigkeit und dem guten Werk ist die Versuchung entgegengesetzt, die uns am guten Werk hindern will. Wir bitten um deren Abwendung.

Sondern erlöse uns vom Bösen:

4. Gut: Den notwendigen zeitlichen Gütern sind die Widerwärtigkeiten und Leiden entgegengesetzt. Diese wollen wir hier ausschließen.

 

 

 

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