Hl. Catharina von Genua — Traktat über das Fegfeuer

Zum Download der vollständigen Texte bitte hier klicken.

Textauszug:

Vorbemerkung zum “Traktat über das Fegfeuer”  

Er wird hier aus dem Manuskript D, verglichen mit dem Manuskript Dx und A, wie sie P. Umile Bonzi OFMCap im II. Band (S. 321 — 354) seines Werkes “S. Caterina Fieschi‑Adorno” 1962 erstmals veröffentlicht hat, ins Deutsche übersetzt. Der ganze Traktat über das Fegfeuer trägt in diesen Manuskripten, weil er darin noch nicht verselbständigt ist, sondern noch das 41. Kapitel der Lebensbeschreibung (“Vita”) der heiligen Catharina von Genua bildet, die nach der Lebensbeschreibung überleitende Vorbemerkung:

“Wie sie (Catharina) durch den Vergleich mit dem göttlichen Feuer, das sie in ihrem Herzen fühlte und das ihre Seele läuterte, innerlich sah und begriff, wie es mit den Seelen im Fegfeuer steht, die geläutert werden, bevor sie vor das Antlitz Gottes in jenem seligen Leben zugelassen werden können.”

In den Manuskripten ist der nun folgende Traktat über das Fegfeuer noch nicht in Kapitel eingeteilt und noch nicht mit Kapitelüberschriften versehen; der besseren Übersicht wegen übernehmen wir im folgenden aber aus der gedruckten Ausgabe des Traktates aus dem Jahre 1551 die Einteilung in 17 Kapitel. 

I. Kapitel 

Diese heilige Seele (nämlich Catharina von Genua) befand sich noch im Fleische, als sie in das Fegfeuer der Läuterung feuriger Gottesliebe versetzt wurde. Dieses Feuer versengte in jener Seele alles und läuterte alles, was sich in ihr noch im Zustand, geläutert werden zu können, befand. Es sollte dies dazu geschehen, damit sie sogleich beim Austritt aus diesem irdischen Leben vor das Angesicht dieses süßen Gottes geführt werden könne. Sie begriff mittels dieses Liebesfeuers in ihrer Seele, wie es um die Seelen jener Gläubigen am Ort des Fegfeuers steht, die von jenem “Rost” der Sündenmakel, von dem sie in diesem Erdenleben noch nicht gereinigt worden sind, geläutert werden.

Und so wie sie selbst im Feuer der göttlichen Liebe mit dieser göttlichen Liebe geeint war und mit all dem zufrieden war, was da in ihrer Seele bewirkt wurde, gerade so begriff sie den Zustand der Seelen, die im Fegfeuer sind.

Und sie sagte: Die Seelen, die im Fegfeuer sind, können gar kein anderes Verlangen haben als nur dies, an jenem Ort der Läuterung zu sein; und zwar wegen der Anordnung Gottes, der das in gerechter Weise so verfügt hat.

Diese Seelen können sich nicht mehr auf sich selbst zurückwenden und können nicht sagen: “Ich habe diese und jene Sünde begangen, für die ich es verdiene, hier zu sein;” sie können auch nicht sagen: “Ich möchte, ich hätte diese Sünden nicht begangen, so daß ich jetzt in das Paradies eingehen könnte;” sie können auch nicht sagen: “Jener kommt schneller als ich von hier heraus;” oder: “Ich werde schneller als jener von hier herauskommen;” sie können auch keinerlei Erinnerung, weder im Guten noch im Schlechten, an sich selbst oder an andere haben. Aber sie haben eine ganz große Zufriedenheit über die Anordnung Gottes, in der er all das, was Ihm gefällt und solange es Ihm gefällt, wirkt. Darum können sie nicht mehr an sich selber denken. Sie sehen nur noch die so große Güte und Wirksamkeit Gottes, der dem Menschen so viel Barmherzigkeit erweist, um ihn zu sich zu führen, so daß sie weder Schmerz noch Glück sehen, das ihnen in ihrer Eigentlichkeit zustoßen könnte; wenn sie dies sehen könnten, wären sie nicht in der reinen, lauteren Liebe.

Sie können nicht einmal sehen, daß sie in jenen Fegfeuerleiden wegen ihrer Sünden sind, noch können sie solche Schau in ihrem Geiste festhalten, denn das wäre eine aktive Unvollkommenheit, die an jenem Ort (der Läuterung) nicht mehr bestehen kann, weil man ja dort nicht mehr aktiv sündigen kann.

Die in ihnen vorhandene Ursache für ihr Fegfeuer sehen sie nur ein einziges Mal, nämlich beim Scheiden aus diesem Leben; hernach sehen sie diese nie wieder, weil das eine Eigentümlichkeit in ihnen wäre.

Und da sie in der Liebe sind und sich von dieser nicht mehr durch aktuelle Sündenschuld abwenden können, darum können sie nichts mehr wollen und wünschen als nur das reine Wollen der reinen Liebe; und da sie im Feuer der Läuterung sind, sind sie in der göttlichen Anordnung, die reine Liebe ist, und sie können in keiner Weise mehr von dieser abweichen, weil sie der Fähigkeit beraubt sind, aktiv zu sündigen und Verdienste zu erwerben.

Ende des Textauszugs

homepage tracker